•25. Oktober 2009 •
Der Oktober vor 30 Jahren war für mich eine absolut lebensverändernde Erfahrung.
Ich war aus meiner Heimatstadt weggezogen nach Köln, es war nicht meine erste Wohnung, aber eine völlig neue Stadt.
Ich hatte mit dem Studium angefangen. Geschichte, Theater-Film-Fernsehwissenschaft, Germanistik. Eigentlich wollte ich ja mal Psychologie studieren, aber den NC hatte ich verpasst. Nun da ich sowieso Musik machte und Kabarett, wollte ich etwas in dieser Richtung machen. Dazu war und bin ich ein absoluter Erich Kästner Fan, der hatte Deutsch, Geschichte und Theatergeschichte studiert. Smile.
Ein Glück war dass viele meiner Freunde auch nach Köln gegangen sind. Es war die schönste Zeit meines Lebens dort in Köln zu studieren. Ich lernte sehr viele wunderbare Menschen kennen. Köln hatte damals schon ein Nachtleben wie kaum eine deutsche Großstadt neben Berlin und München. Das Luxor und das Blue Shell sind immer noch mit die angesagtesten Läden für Nachtleben und Konzerte. Cool.
Nur als Info für die Nachgeborenen: Damals hatten wir weder Handys noch Internet. Ehrlich keiner von uns hätte sich sowas auch nur vorstellen können. Die meisten von uns hatten noch nicht mal ein Telefon. So war es notwendig sich rechtzeitig vorher zu verabreden, wenn man Samstagabend ausgehen wollte. In Köln konnte es dann schonmal passieren, dass man sich verpasste, wenn man zu spät kam. Und so zog ich manche Samstag Nacht alleine durch die Nachtlokale, um am Montag in der Uni dann zu hören, daß die anderen auch z.B. im Blue Shell gewesen sind nur eben früher als ich.
Ich war in dem Sommer 1979 für 3 Monate bei meinem Bruder in Melbourne gewesen. Australien war eine Erleuchtung für mich. Ich habe nie wieder so eine geniale Mischung aus Disziplin und Südländischer Lebensweise erlebt. Die Menschen dort kennen kein Vordrängeln, kein Schubsen kein ich habe es eiliger wie Du oder ich bin besser wie Du. Weil alle dort zeit haben, unendlich viel Zeit. Der Hauptzweck der Arbeit ist die Freizeit vernünftig zu gestalten, dafür macht man gerne Überstunden, um die in einer sinnvollen Form wieder abzufeiern.
Ein Freund meines Bruders war auch zu Besuch damals, er lebte auf Papua und machte auf mich den Eindruck eines Gurus. So eine Ruhe und Weisheit strahlte er aus. Aber er war eigentlich nur ein Farmer.
Das waren meine Eindrücke die ich mitbrachte und die mich völlig verändert hatten.
Das war mein Leben in diesem warmen Oktober 1979.
Gleichzeitig marschierten die Sowjets in Afghanistan ein, aus den selben Gründen wie heute die Amerikaner und mit denselben Problemen. Dies und der NATO-Doppelbschluss sorgten für eine neue Eskalation des Kalten Krieges. Das bedeutetete für uns Menschen, daß jeden Moment die Erde in die Luft fliegen konnte. Jede Sirenenübung bedeutete kalte Angst.
Die Grünen zogen 1979 zum erstenmal in Bremen in ein Landesparlament ein. Noch gab es keine Bundespartei.
Das Atomare Endlager in Gorleben war Dauerthema. Es war das Jahr der Hausbesetzungen. Beides war ständiger Stoff für Demonstrationen und harten Auseinandersetzungen mit der Polizei. Es wurden Telefonlisten eingeführt unter den linken Studenten. Man wurde über eine Demo, eine Hausbesetzung oder auch eine Räumung eines besetzten Hauses von jemandem informiert und hatte genau eine Telefonnummer, die man selber informieren musste. Heute würde man das wohl als Flashmob bezeichnen. Gleichzeitig gab es Tips und Infos, woran man erkennen konnte, dass ein Telefon abgehört wurde. Schließlich befanden wir uns in einem Deutschland, das überall Terroristen und Sympathisanten vermutete, wo es um eine andere politische Meinung ging. Für mich begann an der Universität überhaupt ein verstärktes politisches Leben.
Im Kino starteten Apokalypse Now und Alien, die ich beide nicht im Kino gesehen habe. Dafür habe ich mir 2 Wochen später dann Quadrophenia den Film von The Who angesehen. Immerhin war das schon lange meine Lieblingsplatte.
Musikalisch änderte sich auch alles New Wave und Punk beherrschten mich und die Hitparaden. Joe Jackson, The Police, Gary Numan’S Tubewayarmy, Peter Gabriel, das waren meine Topacts 1979 und sie veränderten meinen Musikgeschmack total. Heute ist vielleicht nicht mehr so klar, dass Peter Gabriel einer der wichtigsten New Wave Musiker war. Es war keine Genesismusik, die er Solo produzierte, sondern purer New Wave.
Aber es spielten diesen Oktober 1979 auch Supertramp in Köln in der Sporthalle mit ihrer Breakfast in Europe Tour.
Die neue Generation Musiker war schon am Start, die alte noch auf ihrem Höhepunkt.
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